Neben dem
Basislack und den Decals hat der Klarlack den
entscheidenden Anteil am Finish des Scaleracer.
Er
versiegelt die Karosserie und schützt sie so vor
Überschlägen, Schweißfingern oder den zahlreichen
Servicemittel die am Slotcar angewendet werden. Mit
einer ordentlichen Schicht Klarlack ist das Fahrzeug
gegen solche Einwirkungen gefeit und die Karosserie
lässt sich gleichzeitig mit einer Wachsversiegelung
polieren bzw. einwachsen.
Beschrieben wird hier speziell die Verarbeitung von
2-komponenten Klarlack wie z.B. den in der
Slotracing Szene weit verbreiteten Mipa Klarlack
C75. Dieser Lack ist sehr widerstandsfähig und hat
einen hohen Glanzgrad. Gleichzeitig bleibt er
genügend Flexibel um bei einem Crash nicht gleich zu
splittern.
Prinzipiell ist dieser Artikel auch für andere 2k
Klarlacke anzuwenden da die Mischungsverhältnisse
ähnlich sind. Sicherheitshalber sollte man vorher
immer einen Test auf einem Reststück vornehmen.
Viele
Klarlacke aus der Spraydose greifen Decals oder auch
Enamel Farbe an, der Vorteil am 2k Lack ist das man
die erste Lackschicht ohne Verdünner auftragen kann.
Dieses
Lösungsmittel ist sehr aggressiv und vor allem bei
Spraydosen Klarlacken dafür verantwortlich das
Decals zerstört werden.
Das
Lackieren mit Klarlack ist eigentlich nicht
besonders schwer, doch es braucht neben etwas Talent
auch Übung und Fingerspitzengefühl . Daher sollte
man nach einem Fehlversuch nicht gleich aufgeben.
Die hier
beschrieben Technik wurden schon mehren Modellbauern
erklärt und bei den meisten sah der erste Versuch
schon sehr gut und wesentlich besser wie ihre
Sprühdosenlackierungen aus.
Was
kostet es?:
Neben
einen gut belüfteten staubfreien Raum brauchen wir
einige Ausrüstungsgegenstände(Bild 1):
Kompressor min.2barca.100€
Airbrush
z.B Revell Juniorca.15€
2
Mischgläser ca. 25mlca.2€
Klarlackgebinde Mipa C75
ca.25€
(Lack,
Härter und Verdünner)
Reinigungspinselca.2€
Gesamtca.144€
Dies sind
natürlich auf dem ersten Blick wesentlich höhere
Kosten, wie für eine Spraydose für 8€. Diese langt
meist jedoch nur für ein Auto während manmit ca. 500ml Klarlack bei großzügig
gerechneten 10ml pro Auto auf 50Autos kommt So
kostet der Klarlack eines Autos ca.3€. Ab dem18 Auto
ist der 2k Lack also noch günstiger, wenn man schon
einen Kompressor hat natürlich wesentlich früher.
Die
Umwelt wird es ebenfalls danken, denn es fällt
weniger Müll in Dosenform an und es wird auch
weniger Chemie für ein Auto benötigt.
Der
Arbeitsplatz:
Nicht
jeder hat einen staubfreien Raum, zumeist wird in
Garagen oder Kellerräumen lackiert.
Falls man
sich noch keinen aufwendigeren Lackierplatz mit
Absauganlage oder ähnlichem eingerichtet hat, sollte
man sich einen großen Karton, in dem die Lackierung
vorgenommen wird, besorgen. Dieser Karton wird von
innen und außen mit einer Blumenspritze befeuchtet,
auch den restliche Raum kann man so leicht
einnebeln. Dadurch wird Staub gebunden und
eventueller Sprühnebel legt sich nachher auf der
Flüssigkeit ab. So bleiben auch Sonstige in solchen
Räumen stehende Dinge unbeschädigt. Möchte man auf
einem Tisch lackieren, kann man diesen wie auf dem
Bild ersichtlich mit alten Zeitungen auskleiden.
Neben der
üblichen Zimmertemperatur(ca.20Grad) die zum
lackieren optimal ist sollte man auch ein wenig auf
das Wetter draußen achten. Eine ordentliche Brise
hilft nachher beim entlüften und Regenwetter hält
die Luft schön Staubfrei.
Kommen
wir nun zu den einzelnen Arbeitsschritten:
Vorbereitende Arbeiten:
Beim zu
lackierenden Modell sollten die Decals trocken sein
und überall anliegen.
Ferner
muss das Model entfettet und staubfrei sein, wie man
dies macht hängt von den verwendeten Decals/ Farbe
ab. Gut eignet sich Fensterreinigungsmittel(nicht
bei Wasser löslichen Basislacken!) oder kurzes
eintauchen bzw. abwischen mit lauwarmen Spüliwasser.
Wie immer
empfiehlt sich eine Probe mit Reststücken, diese
scheinen sicher müßig doch mit der Zeit sammelt man
immer mehr Erfahrungen und kann darauf eventuell
verzichten.
Bei der
Vielfalt der verschiedenen Lack und Decal Hersteller
und ist es leider nicht möglich hier verbindliche
Aussagen zu machen. Befürchtet man Probleme mit
Basislack kann hier vor dem, Neudeutsch „bedecaln“,
eine Schicht Klarlack helfen.
Die
Karosserie wird nach dem Säubern mit einem
Papiertuch getrocknet und mit Spiegelklebeband auf
eine leere Plastikflasche (Shampoo oder ähnliches)
geklebt(Bild 2) und anschließend in einen Schrank
oder ähnliches gestellt.
Übrigens
lohnt es sich immer 2-3 Karosserien gleichzeitig zu
lackieren, die Menge im Gläschen langt für so viele
Karosserien locker aus und man hat den Sprühnebel
bzw. die Reinigung der Werkzeuge nur einmal für drei
Karosserien zu machen.
Zum
mischen und zum lackieren sollte man sich ferner
noch Einmalhandschuhe überziehen.
Nun wird
der Klarlack angemischt. Bei Mipa Lack wird Lack und
Härter im Verhältnis 2/1 gemischt.
Dies
braucht man keinesfalls genau mit einer Waage oder
mit einer Pipette abzumessen.
Als
Hilfestellung langt es ein paar Striche auf das
Airbrushgläschen zu malen.
Lack und
Härter werden gut vermischt, aber nicht wie bei
J.Bond, schütteln ist hier angesagt, nicht rühren.
Anschießend wird ein zweites Gläschen zur Hälfte mit
Verdünner gefüllt.
Der
Kompressor läuft ebenfalls und wird auf ca. 2Bar
eingestellt.
1.Schicht:
Bei der
Revell Junior Airbrush kann man lediglich die Düse
wo der Lack angesaugt wird in der Höhe verstellen.
Sie sollte so sitzen das der Lack beim Sprühvorgang
gerade eben nicht nachtropft.
Nach ein
paar Probesprühstösen können wir mit der ersten
Schicht beginnen, hierbei wird die Karosserie
lediglich eingenebelt so das die Oberfläche richtig
rau und Matt aussieht, fast so wie die Orangenhaut
die wir eigentlich nicht haben möchten. Durch diese
Schicht werden die Decals und auch kleine Farbtupfer
mit Enamel Farbe wie an Nieten oder
Haubenverschlüsse vor der zweiten, insbesondere dem
dann verwendeten Verdünner geschützt.
Die
Karosserie sollte nun sicher weggestellt werden,
etwa in einem Schrank oder einem zweiten Karton der
etwas weiter wegsteht.
Unter die
Airbrush sollte nun das Gläschen mit dem Verdünner
geschraubt werden. Die Airbrush insbesondere das
Plastikröhrchen wird mit ein paar Sprühstößen auf
einen Lappen gereinigt. So verhindert man das bei
der zweiten Schicht schon angehärteter Lack mit
austritt und so kleine, nennen wir sie Lackpopel auf
der Karosserie landen. Der Lappen mit dem Verdünner
wird anschließend über die Airbrush gelegt.
Dem
Gläschen mit dem Klarlack wird nun ca.10% Verdünner
zugefügt, gut vermischt und wieder verschlossen. Nun
ist erst einmal Pause ca. 45 Minuten sollte man die
erste Schicht aushärten lassen.
2.Schicht:
Bevor die
Karosserie nach der Pause die zweite Schicht erhält,
wird die Airbrush nochmals mit ein paar Sprühstößen
aus dem Verdünnerglas gereinigt.
Außerdem
sollte der Raum und der Karton mit der
Blumensprühflasche noch ein wenig befeuchtet werden.
Das
Verdünner Gläschen wird gegen das Lackgläschen
getauscht und nach ein paar Probesprühungen kann mit
der zweiten Schicht begonnen werden.
Die
Karosserie wird nun so lange eingesprüht bis sie
glänzt.
Fortgeschrittene sprühen die Seiten gleichmäßig ein,
wechseln also nach jeder Sprühbewegung die Seite der
Karosserie. Für Neueinsteiger empfiehlt es sich eine
Karosserie Seite nach der anderen fertig zu
lackieren.
Das heißt
zuerst wird die linke Seite im Kreuzgang so lange
eingesprüht bis sie glänzt, hierbei sollte man
zwischen durch ein wenig inne halten, um zu schauen
ob sie der zuletzt aufgetragene Sprühnebel von
alleine Glatt zieht. Wenn dies so ist kann man die
rechte Seite lackieren, anschließend die obere
Seite, die Vorder-und die Hinterseite. Je nach
Karosserie darf man die Unterzüge nicht vergessen.
Vorteil
ist das man an mindestens 5 Seiten sieht oder lernt
wie viel Lack auf die Karosserie muss bis er glänzt.
Der
Sprühnebel der auf die schon lackierten Flächen auf
den anderen Seiten trifft zieht sich ebenfalls
wieder glatt weil genug Lack vorhanden ist.
Die
Karosserie sollte wenn man mit dem Ergebnis
zufrieden ist wieder gut weggestellt werden.
Mit dem
Verdünner Gläschen und anschließend mit dem Pinsel
wird die Airbrush gereinigt.
Abschließend ein Tipp fürs Umweltgerechte entsorgen
der Lack Reste.
Ein altes
Gurkenglas eignet sich sehr gut um die Reste dort
einzufüllen.
Das volle
Glas kann man dann bei der Problemstoffentsorgung
abgegeben werden.
Nach 12h
Trocknungszeit kann man sich sein Werk anschauen.
Wenn man mit dem Glanzgrad noch nicht zufrieden ist,
kann die Karosserie mit 1000er Schleifpads nass
angeschliffen und noch mal klar lackiert werden.
Verwendet
man 100er Schleifpapier so kann man die leichten
Erhebungen des Klarlacks auf den Decal´s
zurückschleifen. Bei der 3. Schicht kann der
Verdünneranteil dann auf 15-20% erhöht werden.
Zusätzlich kann man die Karosserie nachträglich
durch Schleif-und Poliersets auf höchsten Hochglanz
bringen, denn wie ein gepelltes Ei sollten sie nun
schon blitzen.(Bild 3)
Wenn ihr
mit eurer Arbeit fertig seit vergleicht es mal mit
eurem 1/1 PKW, ihr werdet Überrascht sein wie viel
besser ihr mit etwas Übung seit.
Nachtrag:
Immer wieder kommen fragen nach der Verträglichkeit
von Decals und Lacken mit dem Mipa Lack auf.
Im Zweifelsfall immer erst auf einem
Probestücklackieren.
Ich persönlich hatte bisher mit noch keiner Form von
Decals auch kopierten , Alps oder ähnlichen keine
Probleme. auch beim Lack gab es noch keinen ärger
solange es sich um Acryl Lacke handelte, egal ob
wasserlöslich oder nicht. Enamellacke würde ich
nicht überlackieren, es sei den es handelt sich um
kleine Stellen, wie angemalte
Startnummernbeleuchtungen, Haubenverschlüsse oder
ähnliches.